1995, Inneres Observatorium

11-08-1995 – 01-14-1996

Project at the Haus der Kunst, Munich

Aluminium, audio sources, plastic, copper, steel

Aluminium, Audioquellen, Kunststoff, Kupfer, Stahl

1540 x 120 x 230 cm

Concept sketches vary in size

Konzeptskizzen variieren in der Größe



Im Haus der Kunst in München (1995) installierte Sacharow-Ross ein über 15 Meter langes »Fernrohr«, das als Inneres Observatorium nicht auf den Kosmos, sondern auf ein lebensechtes Modell des menschlichen Gehirns ausgerichtet war. Unter diesem Gehirn-Modell war ein Massenspektrometer (Elektronenbeschleuniger) angeordnet. So ergab sich eine  Analogie zwischen jenem Spannungsfeld, das mit dem Massenspektrometer bei der Messung kleinster Teilchen erkundet werden kann, und den geistigen Kraftfeldern, die durch die Gehirntätigkeit entstehen.

Im Sommer 1997 soll diese Installation – nun umhüllt von einer konisch konstruierten 18 Meter hohen architektonischen Glas-Stahl-Konstruktion auf einer Basalt-Basis – in Jerusalem erneut realisiert werden. Aufstellungsort ist das Außengelände vor dem Eingang des Bernard W. Bloomfield Science Museums, einem zentral gelegenen Platz der Stadt zwischen der Knesset und dem Israel Museum.

Für die Besucher ist im Inneren dieser kapselartigen architektonischen Hülle eine interaktive »Bar« geplant, an der künstlerisch bearbeitete Informationen zur Gehirnforschung abgerufen werden können.

Zwar wird hier die Spitze des Teleskops aus der umgedrehten Kuppel des Observatoriums heraus einige Meter weit ins Freie ragen, aber dennoch ist seine Blickrichtung umgekehrt: Sie richtet sich nämlich auch hier nicht ins All, sondern auf den Kosmos des menschlichen Geistes, d.h. »auf uns selbst, unsere nächstliegende Gegenwart statt in eine galaktische Ferne« (Sacharow-Ross).

Die Art und Weise, wie das Spektrometer dem Gehirn zuleibe rückt, wirkt als exakte Zustandsbeschreibung der heutigen Welt und ihrer Gefahren einer technischen Manipulierbarkeit des Menschen. Kunst war und ist auch Mittel zur visuell eindringlichen Mahnung und Warnung – daraus ergibt sich ihre wesentliche gesellschaftliche Funktion.

Jürgen Raap, 1997


Ausstellungen

Gut gewachsen, München, Haus der Kunst, 08.11.1995-14.01.1996.

Publikationen:

Gut gewachsen, hg. v. Haus der Kunst (Ausst.-Kat. München, Haus der Kunst, 08.11.1995-14.01.96), München 1995.

Schäfer, Harry: Die Räume des Igor Sacharow-Ross, in: Kunstzeit 4/97, 56 f.

Igor Sacharow-Ross. Reanimation, hg. v. Cantz Verlag (Ausst.-Kat. Tourcoing, Musée des Beaux-Arts, 18.10.1997-19.01.98), Ostfildern-Ruit 1997.

Raap, Jürgen:  Igor Sacharow-Ross. Inneres Observatorium, in: Kunstforum International, Bd. 140, 1998, 272-293.

Rapp, Jürgen: Künstler und Forscher im Dialog. Verbindung von Wissen, in: Kunstzeit 1/98, 12-20.

Kunst + Wissen, hg. v. Kunst Management Judith Betzler (Ausst.-Kat. Bonn, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, anläßlich des Kongresses Zukunft Deutschlands in der Wissensgesellschaft am 16.02.1998), Bonn 1998.

Buchhart, Dieter: Igor Sacharow-Ross. Das Resultat ist tot, es lebe der Prozess. Ein Gespräch von Dieter Buchhart, in: Kunstforum International, Bd. 175, 2005, 251.

Igor Sacharow-Ross. Abgebrochene Verbindung,hg. v. Dieter Buchhart/Hans-Peter Wipplinger (Ausst.-Kat. Passau, Museum Moderner Kunst Passau – Stiftung Wörlen, 22.10.-03.12.2006), Nürnberg 2006.

Syntopia. Igor Sacharow-Ross, hg. v. Andrea Niehaus/Dieter Ronte (Ausst.-Kat. Bonn, Deutsches Museum Bonn/Kunstmuseum Bonn, 07.12.2007-03.02.08), Köln 2007.

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